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Interview Sergie Loobkoff (Mai 2006)

1) Wie lautet der Titel des neuen Albums?
Wir haben da verschiedene Ideen. Eine Idee, die mir gut gefällt, kommt von Jason: ‚who needs you’. Ich mag es ohne Interpunktion, damit die Bedeutung von jedem selbst erschlossen werden kann. Es könnte „Wer braucht dich?“ heißen, etwa wie „Entschuldige mal, interessiert sich irgendjemand für dich?“. Oder es könnte ein wütendes Statement wie „Wer braucht dich!?!?!?!?“ sein. Ich weiß noch nicht, ob wir es verwenden werden, aber ich mag es. Ein paar andere Ideen sind beispielsweise „let it die“, und Sean favorisiert die japanische Schlagzeile, die „superstar sound machine“ oder so ähnlich hieß.

2) Könntest du kurz den Hauptunterschied zwischen eurem neuen Album und „Astray“ darstellen?
Ich bin mir sicher, die Leute werden sagen, dass diese Platte einfach anders ist. Die Leute, die sie mögen, werden sie als neue Richtung für die Band bezeichnen. Die Kritiker werden hingegen sagen „es ist einfach nicht mehr dasselbe…“. Bis das Album fertig ist, kann ich die Frage nicht beantworten. Wir starten wie mit jedem Album mit dem Schreiben von einer Reihe von Songs, wobei wir nicht wissen, was letztendlich dabei rauskommt. Ganz sicher sagen wir weder „ok, lasst uns ruhiger werden“ noch „wir beweisen besser mal, dass wir noch nicht so alt sind und machen mehr auf Punk“. Ich glaube, man kann sagen, dass alle Samiam-Platten ein heikles Unterfangen sind …. du bekommst, was du bekommst.

3) Wie viele Songs werden auf dem neuen Album sein?
Wir haben einen Haufen von Songs geschrieben. Dann haben wir uns jedoch entschlossen 15 oder 16 davon aufzunehmen - plus eine Cover-Version (das ist ein Geheimnis … nein, ist es nicht, wir spielen „this will be our year“ von „the zombies“). Ich denke, es werden 12 oder 13 Songs auf der CD sein, und wir werden 3 oder 4 Bonus-Tracks in Japan veröffentlichen.

4) Wer war für das Schreiben der Musik und Texte bei diesem Album verantwortlich?
Jason schreibt überlicherweise die Texte. Auf dem letzten Album schrieben Sean und Sergie einen Song. Diesmal schrieb Sean auch einen Text. Den Text, den ich, Sergie, geschrieben hatte, hat Jason sofort versteckt, nachdem er ihn gelesen hatte. Stattdessen hat er seinen eigenen Text verfasst. Ich denke, es war kein Meisterwerk wie „Mudhill“. Was die Musik anbelangt, so habe ich 9 Songs geschrieben, Sean hat 5 und Jeremy einen beigesteuert.

5) Wie seid ihr an das Schreiben des Albums herangegangen? Haben sich die Songs mehr entwickelt oder habt ihr euch bewusst hingesetzt, um die Songs zu schreiben?
Ich glaube für Jason ist das ein schmerzvoller Prozess, der viel Zeit benötigt. Ich meine, gute Worte sind schwer zu finden. Bis jetzt sehe ich, dass viele Songs von Beziehungen handeln und wie scheiße Menschen mit einander umgehen. Ich denke, es wird ein paar coole Pop-Songs mit verworrenen Texte geben. Wenn man sie sich anhört, wird man denken, es seien Liebeslieder, aber wenn man genauer auf die Texte achtet, wird man merken, dass mehr dahinter steckt. Musiktechnisch ist es sehr einfach für Sean und mich. Wir spielen ständig Gitarre und schreiben Songs, wenn wir daheim sind. Als wir mit dem Schreiben im September begonnen hatten, war ich ein wenig am Arsch, weil alles nur sehr langsam aus mir rauskam. Im Februar habe ich mir schließlich gesagt „scheiße, ich will schnellere Songs schreiben, die mehr nach SAMIAM klingen“. Sowas mache ich normalerweise nicht: Mich anstrengen eine bestimmte Richtung einzuschlagen. Aber jetzt bin ich froh. Ich käme mir als SAMIAM-Fan ziemlich verarscht vor, wenn nicht wenigstens ein paar schnellere, härtere, lautere Songs auf der Platte wären. Demnach war ich also ziemlich dumm, als ich sagte, ich wolle nicht versuchen, eine bestimmte Richtung einzuschlagen.

6) Wer hat die Platte produziert und habt ihr schon zuvor mit ihm gearbeitet?
Wir haben da diesen Freund von Sean aus Brooklyn, Chris Moore. Er ist Partner mit diesem Typen von „TV on the Radio“. Das sind alte Freunde von Sean. Sie produzieren derzeit eine Menge (wie zum Beispiel „TV on the Radio“ und Ex-Rage against the machine Frontman Zak Dela Rocha), aber nichts, das wie SAMIAM klingt. Das ist gut so. Wir passen sehr auf, dass wir nicht wie eine Pop-Punk-Band klingen. Das ist natürlich sehr schwer, weil wir poppige Songs schreiben und sie mit großen Gitarren, Bass und Schlagzeug spielen. Ich glaube, die Leute, die nichts auf SAMIAM geben, sehen uns als eine Pop-Punk-Band. Aber wenn man sich ein wenig Zeit nimmt und genauer hinhört, wird man erkennen, dass wir mehr als das sind. Wir bedienen uns ebenso viel bei Sonic Youth, My Bloody Valentine, den Beatles und anderen Quellen wie Bad Religion oder Lagwagon.

7) Was denkst du über das neue Album?
Ich bin wie immer sehr aufgeregt. Du weißt nie, wie es klingen wird, bis es fertig ist. Für mich ist das Aufnehmen einer Platte einfach ein Mysterium. Ich weiß, wie groß, kraftvoll die Instrumente klingen sollen. Aber während wir aufnehmen, zweifele ich an dem Sound und frage mich, ob am Ende wirklich alles so gut klingen wird. Leider gibt es so viele Variablen. Man kann nicht einfach ein Mikrofon vor ein Drumset stellen und „Aufnahme“ drücken. Es ist Magie! Hoffentlich wird Chris es rocken!

8) Wie war es, mit einem neuen Gitarristen an den neuen Songs zu arbeiten? Hat sich die Band irgendwie verändert als Jeremy in die Band kam?
Jeremy ist ein sehr zuverlässiger Bass-Spieler. Er mochte die Band schon seit vielen Jahren und sah uns sogar in seiner Heimatstadt in Minnesota im Jahre 1994 spielen. Also weiß er, was die Band braucht. Er sieht uns aus der Fan-Perspektive, was wirklich großartig für uns ist. Weißt du, wenn ich „Fan“ sage, sage ich das nur, weil mir kein besseres Wort einfällt. Wir sind so weit entfernt von dem, was die Leute eigentlich an uns mögen. Jeremy füllt diese Lücke und bringt eine einzigartige Perspektive mit.
Was Sean als Gitarristen angeht: Das ist was ganz anderes. Er ist ein viel besserer Gitarrist als James oder ich, und er hat nicht die gleichen Punk-Wurzeln. Ich glaube, ein Grund dafür, dass SAMIAM gute Platten rausgebracht hat, ist die Tatsache, dass James und ich beschränkte Fähigkeiten hatten. Wir waren nicht schlecht, aber eben beschränkt. Deshalb hatten wir immer einen ziemlich guten Geschmack. Das ist nicht unbedingt gewollt, aber wir können halt einfach nicht diese technisch anspruchsvollen Dinge spielen. Daher gibt es keine langweiligen Solos. Sean ist schon eine ziemlich lange Zeit in der Band. Daher weiß er das alles. Ich denke, es wird interessant für die Fans sein, uns zusammen spielen zu hören.
 

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